Was ist bewusster Kaffeekonsum? – Interview mit Happy Coffee

Mit Kaffee ist es wie mit so vielem: Ein Trend jagt den nächsten. Mal steht die Aufbereitung des Kaffees im Vordergrund, mal die Zubereitung. Teilweise breiten sich diese Trends weltweit aus und manchmal setzen sie sich nur in einer Region durch, wie wir an unserem Interview mit einem Café in Brasilien bemerkt haben. Doch was ist nun bewusster Kaffeekonsum? Zu diesem Thema haben wir Happy Coffee befragt, die genau für diesen bewussten Kaffeekonsum stehen.

Hallo Christian, könntest du dich und Happy Coffee bitte kurz unseren Lesern vorstellen?

Christian von Happy CoffeeHi, ich bin Christian Häfner und Gründer von Happy Coffee, einem Online-Kaffeehandel für Bio-Kaffee aus fairem Direkthandel. Als bekennender Kaffee-Fan und seit fast 10 Jahren Online Unternehmer war es schon lange ein Wunsch von mir, etwas soziales Sinnvolles mit Kaffee zu machen. Die Idee zu Happy Coffee gibt es schon lange und wurde aus meinem Drang heraus geboren, mehr für nachhaltigen Kaffeekonsum tun zu wollen. Was zunächst 2008 als ein einfaches Blogprojekt anfing, ist 2015 zu einem E-Commerce Unternehmen herangewachsen.

Seit 2016 arbeiten nun meine Frau Heidi und ich gemeinsam – und mittlerweile in Vollzeit – daran, die Welt (bzw. erstmal Deutschland) mit Kaffee zu versorgen, der besser für alle ist – für die Bauern und für die Konsumenten. Wir möchten Kaffeetrinkern eine Welt aufzeigen, die spannender, nachhaltiger und vor allem leckerer ist, als das, was wir aus dem Supermarkt kennen.

Was ist bewusster Kaffeekonsum bzw. wie definiert ihr es?

Für mich bedeutet bewusster Lebensmittelkonsum im allgemeinen, dass man nicht nur nach schönen Verpackungen und Preisen kauft, sondern hinterfragt, was man da eigentlich konsumiert. Es ist erschreckend, wie sehr wir uns von den großen Marken blenden lassen.

Espressobohnen aus dem Chiapas in Mexiko *

Wer hinterfragt, wird häufig belohnt. Denn statt Geschmacksverstärker oder verbrannter Kaffeebohnen, die mit Giften gezüchtet werden, gibt es Aromen, die viele noch nie geschmeckt haben. Man erwartet als Durchschnittskonsument schon fast, dass z.B. dunkle Espressobohnen bitter und sauer schmecken müssen. Wer aber z.B. mal unsere Espressobohnen aus dem Chiapas in Mexiko * probiert, der wird das Gegenteil erleben.

Bewusster Kaffeekonsum bedeutet aber auch, die sozialen Aspekte zu betrachten. Also einen Blick dahin zu werfen, wo und von wem der Kaffee angebaut wird und was der Bauer dafür letztlich bekommt. Man selbst würde ja auch nicht für ein paar Cent pro Stunde auf die Felder gehen und arbeiten. Warum sollten es andere Menschen dann tun müssen? Für uns, die wir privilegiert in Industrieländern aufgewachsen sind, ist die Distanz zum Kaffeeursprung so groß, dass es recht einfach ist, nicht hinzuschauen.

Warum ist euch bewusster Kaffeekonsum wichtig?

Wir leben in einer Konsumwelt, in der unsere täglichen Einkäufe vor allem durch niedrige Preise getrieben sind. Dass der Weltmarktpreis für Kaffee derzeit auf einem historischen Tief ist, sehen wir dabei gar nicht. Dieses Problem und auch die mindere Produktqualität im breiten Kaffeemarkt sind es aus meiner Sicht wert, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Ich versuche daher in unserer Kommunikation nicht ausschließlich auf die sozialen Aspekte zu setzen, sondern vor allem auch auf die Produktqualität, die dem Supermarktkaffee-Trinker ganz klar entgeht.

Am Ende ist es immer Geschmackssache, aber Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Dieses Muster lässt sich übrigens auf fast alle Lebensmittelbereiche übertragen. Wein, Fleisch, Käse, Früchte, usw… Sobald ein Konzern-Interesse dahinter steht, geht es schnell nur noch um Geld, welches meist besser mit Massenproduktion und zu Lasten guter Qualität erreicht wird. Entscheiden könnten das eigentlich wir – die Konsumenten – aber wir machen es häufig einfach nicht. Deshalb setzen wir bei Happy Coffee auf Aufklärung, Inspiration und Transparenz. Wir erzählen Geschichten und versuchen auf eine positive Art zu inspirieren, als immer nur den Zeigefinger zu erheben.

Welche Faktoren spielen beim bewussten Kaffeekonsum eine Rolle?

Aus meiner Sicht sind die Qualität und Herkunft des Rohkaffees, die Art der Röstung und auch wie er zubereitet wird, entscheidend. Die Bohnen sollten aus einer zumindest teilweise nachvollziehbaren Quelle stammen und ohne Dünger oder Pestizide mit ausreichend Platz und Ruhe gewachsen sein. Das Bio Siegel sollte dafür schon ein guter Indikator sein.

Alles, wo Industriewerkzeuge zum Einsatz kommen, hat meist schlechte Auswirkungen auf die Bohnen. Pflückmaschinen, Trockner und Großröster sorgen dafür, dass von der Bohne, wie sie sein könnte, kaum etwas übrig bleibt. Alles, was gut sein könnte, wird spätestens beim Schnellrösten verbrannt. In unserem Fall kommt der Kaffee in der Regel von Kleinbauern-Kooperativen, wo handgepflückt, sonnengetrocknet und langsam im Trommelröster geröstet wird. Das dauert länger und kostet entsprechend mehr, aber es lohnt sich. Auch ist jemand aus dem Team jedes Jahr in den Anbaugebieten und überzeugt sich vor Ort von den Bedingungen, unter denen die Menschen arbeiten. Neben dem Kaffeeanbau geht es dabei häufig auch um soziale Projekte, die vor Ort unterstützt werden.

Wie unterscheidet sich euer Kaffee von dem anderer Röstereien?

Canephora (Robusta) Bohne *

Rein von den Bohnen verkaufen wir ausschließlich Bio-Bohnen (derzeit nur Single Origins), die immer nur in sehr kleinen Mengen geröstet werden, damit sie möglichst frisch beim Kunden ankommen. Wir haben auch keine zig verschiedenen Sorten, sondern derzeit genau vier Bohnen, die sich vom Geschmacks- und Aromaprofil gut ergänzen. Wir wollen mit Qualität überzeugen, nicht mit Quantität. Auch eine 100% Canephora (Robusta) Bohne * ist mittlerweile dabei.

Ich glaube der größte Unterschied ist aber, dass wir als Happy Coffee derzeit ausschließlich online vertreten sind. Wir versuchen auf unserer Website möglichst viel Transparenz zu geben und zu zeigen, wo die Produkt herkommen und welche Varietäten enthalten sind. Wir schreiben auch auf jede Packung das Röstdatum. Sogar die Einkaufspreise, die bei den Bohnen an die Kooperativen bezahlt wurden, zeigen wir auf.

Dafür haben wir leider kein Café, wo man uns besuchen kann. Meine Frau und ich sind Vielreisende, was mit einem lokalen Geschäft kaum zu vereinbaren wäre. Wir haben auch keine großen Mittel, die uns zur Verfügung stehen, um mal eben so etwas zu starten. Stattdessen sind wir mit viel Idealismus angetreten und versuchen mit möglichst viel Fokus zu Erfolg zu kommen. Entsprechend liegt unser Fokus auf dem Online-Geschäft und wir freuen uns schon jetzt mehr als 120.000 monatliche Besucher zu haben. Wenn wir diese alle in einem Café unterbringen wollen würden, müssten wir große Lagerhallen ausbauen 😉

Kein Wunder, denn auf unserer Website gibt es auch mehr zu finden, als bei anderen. Wir schreiben viel über Kaffee und Zubereitungsmethoden und versuchen das Röstereierlebnis zu den Kunden nach Hause zu bringen. Besonders für die, die nicht in der Nähe einer Rösterei wohnen, ist das ein Segen. Gleichzeitig legen wir sehr viel Wert auf Service. Wir wollen erreichbar sein, wenn Geschäfte zu haben. Wir wollen einen individuellen Service bieten, der in einer hektischen Café-Situation vielleicht nicht möglich wäre. Man kann uns schreiben oder auch anrufen und Fragen stellen, die ich gerne beantworte (sofern ich gerade das Telefon besetzen kann). Und wer sich einfach nur inspirieren lassen möchte, der kann unseren Reisen auch einfach bei Instagram folgen. Online spielt eine andere Musik als Offline – und hier fühlen wir uns sehr wohl.

Möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Ich möchte, dass jeder, der im Supermarkt Kaffee kauft, sich bewusst macht, dass wir in Deutschland eine Kaffeesteuer von 2,19 Euro pro Kilo und 7% MwSt. auf Kaffee haben. Wer diese Summe von einer Packung für 7,99 Euro im Discounter abzieht und dann berechnet, dass ein Kaffee geerntet, gewaschen, importiert/verschifft, geröstet, verpackt und verkauft werden muss, der wird feststellen, dass da nicht mehr wirklich etwas übrig bleibt, was einen gewissen Qualitätsanspruch erfüllen könnte. Es gibt mittlerweile so viele tolle Alternativen (vor allem Online). Zumindest ein Versuch sollte es jedem Wert sein.

Tobias Löser
Mein Motto lautet: "Ich trinke keinen Kaffee, um aufzuwachen. Ich wache auf, um Kaffee zu trinken." Schon in der Schulzeit begann meine Leidenschaft für Kaffee. Nachdem ich im Klassenraum eine Kaffeemaschine aufgestellt hatte und damit Lehrer mit Geruch und Geräuschen zur Weißglut trieb, wurde mir klar, dass Kaffee für mich mehr bedeutet als für manch andere. Der erste Barista-Kurs folgte nur wenig später. Heute trinke ich nicht nur guten Kaffee, sondern schreibe auch über ihn.