Röster des Jahres 2016 – Interview mit Rosario Bonafede

In letzter Zeit haben wir immer mehr Interviews mit Cafés und Röstereien geführt. So haben wir einige Unterschiede der Kaffeeröstereien entdeckt. Auch die Trends in verschiedenen Cafés und Regionen – wie der Mokka mit Dulce de Leche in Brasilien – haben wir euch vorgestellt. In diesem Interview sprechen wir mit Rosario Bonafede, der die gleichnamige Rösterei gegründet hat.

Hallo Rosario, wie ist eure Rösterei denn entstanden und seit wann röstet ihr Kaffee?

Rosario Bonafede von der Rösterei BonafedeIch habe die Rösterei 2005 gegründet. Ursprung war, dass ich im Außendienst war und viele Cafés am Tag besuchte. Damals war in der Gastronomie der Kaffee meist von niedrigster Qualität. Ich trank also sehr viele schlechte Espressi und fragte mich, ob man das nicht besser machen könnte. So fing ich also in einer Garage mit dem Rösten an und wollte die Welt von schlechtem Kaffee befreien.

Wir haben bereits erläutert, welche Röstverfahren es gibt. Nutzt ihr die Trommel- oder die industrielle Röstung und weshalb?

Wir nutzen natürlich die traditionelle Trommelröstung im Langzeitverfahren. Wir rösten mit einem hohen Konduktionsanteil und wenig Luftanteil, das ganze über 15 Minuten. Dies führt zu vollmundigen, bekömmlichen und aromatischen Kaffees, die besonders magenschonend sind.

Ist euer Kaffee auch zertifiziert bzw. legt ihr Wert darauf?

Wir haben ein gemischtes Sortiment, möchten aber mittelfristig keine konventionellen Kaffees mehr anbieten. Wir haben einige Farm to Cup Kaffees bei denen wir die Bauern/Plantagenbesitzer kennen und direkt dort kaufen. Mit diesen sind wir im ständigen Austausch, somit garantieren wir den Bauern einen höheren Preis und Sie uns eine bessere Qualität. Wir haben aber auch Bio und Fair Kaffees im Sortiment. Allerdings sind wir nicht zertifiziert, da wir die getrennte Lagerhaltung nicht bewerkstelligen können. Daher findet man das Siegel nicht auf den Packungen. Aber auch hier möchten wir daran arbeiten, sobald wir neue Flächen zur Verfügung haben.

Da sind wir schon gespannt. Was für Röstungen sind bei euch denn erhältlich?

Wir haben sowohl Blends als auch Single Origins. Die meisten Single Origins bieten wir in Kaffee- als auch Espressoröstung an. Im Schnitt bewegen wir uns im mittleren Röstgrad, also nicht zu hell und nicht zu dunkel. Unsere Kunden mögen zu helle Kaffees mit viel Säure nicht.

Aus welchen Ländern bezieht ihr die meisten Kaffeebohnen und welche Bohnensorte röstet ihr hauptsächlich?

Klar, das meiste was wir verkaufen ist Arabica. Die Länder in der richtigen Reihenfolge sind: Brasilien, Indien, Äthiopien, Peru, Kolumbien und Guatemala.

Was würdet ihr sagen, wie unterscheidet sich euer Kaffee von dem anderer Röstereien?

Da beim Rösten der Bohne so viele Faktoren eine Rolle spielen, hat tatsächlich jeder Röster eine eigene Handschrift. Wir haben über die Jahre das System von Frische zu ausgegastem Kaffee immer weiter optimiert, so dass der Kunde eine Bohne erhält, die sehr frisch ist, aber dennoch schon entgast. Dies erfordert große Lagerkapazitäten und permanente Überwachung der verkauften Menge mit Anpassung der Lagerbestände.

Aber ein Kunde kann ebenso seine eigene Charge direkt aus dem Röster ganz frisch mit nach Hause nehmen (auf Vorbestellung). Wir sind sehr zuverlässig und schnell in den Lieferungen, weiterhin achten wir sehr auf den Einkauf, so dass die Bohnen von erster Qualität sind.

Worauf seid ihr besonders stolz?

Nun erstmal freuen wir uns über jeden Stammkunden. Dies ist schon eine Bestätigung für unsere Leidenschaft. Hervorzuheben wäre natürlich der Titel „Röster des Jahres 2016„, den uns das Crema Magazin verliehen hat.

Vielen Dank für das Interview! Möchtet ihr unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Unterstützt die kleinen Röstereien und mahlt den Kaffee immer frisch.

Tobias Löser
Mein Motto lautet: "Ich trinke keinen Kaffee, um aufzuwachen. Ich wache auf, um Kaffee zu trinken." Schon in der Schulzeit begann meine Leidenschaft für Kaffee. Nachdem ich im Klassenraum eine Kaffeemaschine aufgestellt hatte und damit Lehrer mit Geruch und Geräuschen zur Weißglut trieb, wurde mir klar, dass Kaffee für mich mehr bedeutet als für manch andere. Der erste Barista-Kurs folgte nur wenig später. Heute trinke ich nicht nur guten Kaffee, sondern schreibe auch über ihn.