Einen Monat ein Café leiten – Interview mit KreativTankstelle

Einen Monat lang ein Café leiten, das klingt nach einer verrückten Idee. Gleichzeitig macht es aber auch neugierig. Wie kann das funktionieren? Welche Anforderungen muss man erfüllen und wie geht es danach weiter? Die KreativTankstelle in Erfurt hat nun ein solches Projekt gestartet. Wir haben für euch ein Interview mit Ronny Lessau, dem Gründer und Inhaber der KreativTankstelle, geführt.

Für alle, die euch noch nicht kennen: Was ist eigentlich die KreativTankstelle?

Ronny Lessau und TeamMit der KreativTankstelle haben wir den Versuch gestartet einen Raum zu schaffen, der sowohl als Café, als Arbeitslocation als auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Wir sind also selbst erstmal sehr kreativ gewesen als wir das Konzept durchdacht haben. Besonders stolz bin ich auf unseren Tresen, welcher zugleich eine Kochinsel ist und das Herzstück bei Events darstellt.

Kannst du uns bitte kurz erläutern, was es mit dem Projekt auf sich hat und wie ihr auf die Idee gekommen seid?

Zuerst muss man sagen, dass gute Ideen nie allein entstehen und es auch immer ein tolles Umfeld braucht, um diese dann auch in die Tat umzusetzen.

In diesem Fall waren das zum einen mein langjähriger kultureller Wegbegleiter Kai Siegel sowie ebenfalls Kai, allerdings diesmal Oppel welcher aus der PR- und Agenturwelt kommt. Zu dritt haben wir diesen Gedanken geboren, einen Raum zu entwickeln, indem wir die begonnene Kulturarbeit fortsetzen sowie zum anderen einen kreativ inspirierenden Raum mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten für Erfurt zu schaffen.

Das Projekt „Café für einen Monat leiten“ ist dann die logische Konsequenz anderen Menschen einen Weg zu ebnen, ihre Träume und Wünsche in die Tat umzusetzen. Wir glauben hierbei immer in Netzwerken, sehen neue Cafés und Kreativräume als Ergänzung und nicht als Konkurrenz. Der Standort Erfurt ist diesbezüglich noch sehr unerforscht und braucht dringend noch viel mehr mutige Gründer und Gründerinnen.

Was muss man als Leiter eines Cafés – sowohl bei eurem Projekt als auch grundsätzlich – mitbringen?

Café der KreativTankstelle in ErfurtMag sein das ich nicht der richtige Ansprechpartner für diese Frage bin, aber ich würde mal behaupten nicht viel, außer Mut und Engagement.

Als ich die Pforten der KreativTankstelle im Oktober 2018 eröffnet habe, hatte ich bis dato noch nie einen Kaffee aus einer Siebträgermaschine heraus gelassen, geschweige denn Milch geschäumt. Hier hatte ich das Glück auf tolle Gastronomen zu treffen, welche sich gern für eine Einweisung zur Verfügung stellten. Wie so oft merkt man dann sehr schnell, dass es alles kein Hexenwerk ist und sowieso jeder nur mit Wasser kocht. 😉

Man darf hierbei natürlich nicht vergessen, dass ich von Anfang an auch das Glück hatte auf ein großartiges Team setzen zu können, welches ebenfalls einiges an Vorerfahrungen mitgebracht hat.

Du hast mir berichtet, dass ihr bereits einige Bewerber habt. Wie geht es jetzt weiter?

Genau, insgesamt waren es ca. 10 Bewerbungen, welche bei uns eingetrudelt sind. Manche auch mit einer gehörigen Portion jugendlichem Leichtsinn, aber auch einige, die genau das wiedergaben, was uns bei der Idee antreibt: Schon immer mal aus der Komfortzone ausbrechen und etwas neues probieren zu wollen. Aktuell haben wir zwei Kandidaten mit denen wir jetzt in die heiße Phase gehen. Voraussichtlich teilen wir die Zeit auf jeweils 2 Wochen auf, so dass sich beide probieren können.

Was erwartet die Kandidaten, die das Café einen Monat lang leiten dürfen?

Natürlich lassen wir die Kandidaten nicht komplett ins kalte Wasser springen. Das Projekt hatten wir seinerzeit beim THEX (Thüringer Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmertum) vorgestellt, welches sich daraufhin entschlossen hatte uns bei der Umsetzung zu unterstützen. So ist geplant, einen Workshop im Vorfeld des Monats der Café Übernahme für Gründungswillige und Interessierte abzuhalten, an dem unsere Kandidaten natürlich auch teilnehmen. Außerdem wird es noch ein spezielles Café-Seminar geben, bei dem alle Grundlagen vom Bedienen einer Siebträgermaschine bis hin zur Warenverwaltung erläutert werden. Während der Zeit der Übernahme wird unser Team hin und wieder auf eine Stippvisite vorbei schauen und nach dem rechten sehen bzw. für Fragen zur Verfügung stehen.

Und wie kreativ dürfen die Kandidaten tatsächlich werden?

Sehr kreativ! Wir lassen den Kandidaten da freien Gestaltungsspielraum. Sie dürfen eigene Events organisieren und Kreationen entwickeln. Klar sollten bestehende Standards, wie unsere Öffnungszeiten, beibehalten werden. Von einer toleranten und offenen Atmosphäre ganz zu schweigen, das ist unser oberstes Gebot.

Möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Traut euch! Für alle, die schon immer mal ihren Traum verwirklichen wollten, macht es! Ihr lebt nur einmal und das Leben ist zu kurz, um seinen Träumen hinterher zu hinken. Denkt sparsam und investiert in Qualität und Kreativität.

Für alle, die jetzt neugierig geworden sind: Unser nächstes Projekt steht auch schon in den Startlöchern, die Coffee & Culture Safari wird dieses Jahr im September in Erfurt und Leipzig an den Start gehen. Hierbei ist unser Anliegen, die Kultur hinter dem Kaffee hervor zu heben. Wir wollen einen Stadtspaziergang ins Leben rufen, welcher sowohl Wissen über Kaffee, seine Herstellung und Zubereitung vermittelt als auch ein buntes Treiben bestehend aus Vorlesungen, Gesang, Darbietungen und Reiseberichten aus Ländern hinter der Kaffeeherstellung zu Tage trägt.

Tobias Löser
Mein Motto lautet: "Ich trinke keinen Kaffee, um aufzuwachen. Ich wache auf, um Kaffee zu trinken." Schon in der Schulzeit begann meine Leidenschaft für Kaffee. Nachdem ich im Klassenraum eine Kaffeemaschine aufgestellt hatte und damit Lehrer mit Geruch und Geräuschen zur Weißglut trieb, wurde mir klar, dass Kaffee für mich mehr bedeutet als für manch andere. Der erste Barista-Kurs folgte nur wenig später. Heute trinke ich nicht nur guten Kaffee, sondern schreibe auch über ihn.